Wie werde ich besser?

Wir haben eine Lateinlehrerin am Gymnasium gebeten, uns zu beschreiben, wie man als LateinschülerInnen besser werden kann und folgende ausführliche Antwort erhalten:

Um diese Frage beantworten zu können, müssten sich SchülerInnen erst einmal ihres Kenntnisstandes bewusst werden. Allzu häufig wird dieser positiver eingeschätzt als er wirklich ist. Hilfreich wäre möglicherweise ein von der Lehrkraft entwickelter Fragebogen bezüglich der bereits im Unterricht behandelten Themen. Darüber hinaus gibt es in den moderneren Lehrwerken wie Cursus (Neubearbeitung 2016) oder Adeamus Plateau- bzw. Insellektionen zur Überprüfung des Leistungsstandes.

Ein großes Problem, das sich für die meisten SchülerInnen bei fortschreitendem Lateinunterricht ergibt, ist die Kenntnis des Vokabelschatzes. Da im Lateinunterricht im Gegensatz zu modernen Fremdsprachen der Vokabelbestand nicht ständig umgewälzt wird, muss eine Schülerin/ein Schüler schon ein gewisses Maß an Selbstdisziplin mitbringen, damit sie/er auf dem Stand der Dinge bleibt. Eine regelmäßige sinnvolle Wiederholung der Vokabeln – sei es mit den traditionellen Vokabelkärtchen oder anderen Medien – würde ganz erheblich zu einem besseren Übersetzungsvermögen beitragen.

Unerlässlich ist natürlich die Kenntnis sowohl der aktuell besprochenen Grammatik als auch der zurückliegenden Basisgrammatik (Deklinationen, Konjugationen etc.). Zumindest vor anstehenden Arbeiten sollten bereits besprochene Grammatikkapitel insgesamt wiederholt werden.

Die beiden zuvor genannten Bereiche sind Grundlage für die Übersetzung eines Textes. Überaus wichtig ist dabei ein systematisches, mikroskopisch genaues Vorgehen. Die SchülerInnen können sich dabei viele Dinge zunutze machen:

Vorerschließung eines Textes (Wahrnehmung der Informationen rund um den Text, z.B. Überschriften, Textart, beteiligte Personen, Zeit, Ort)

Texterschließungsmethoden (Erfassung zusammengehöriger Wortblöcke , Anwendung der Konstruktions- oder Pendelmethode, Analyse satzwertiger Konstruktionen).

SchülerInnen sollten bei ihrer Übersetzungstätigkeit immer wieder ihr eigenes Produkt im Nachhinein auf grammatische Korrektheit Überprüfen: Kasus erfragen, Personen, Tempus und Diathese kontrollieren.

Eine gute Vorbereitung auf Klassenarbeiten in der Sekundarstufe I ist die selbstständige Übersetzung der der jeweiligen Arbeit zugrunde gelegten Lektionstexte ohne jegliche Hilfen. Dabei sollte den SchülerInnnen auffallen, welche Vokabeln und welche Grammatikbereiche noch nicht in gewünschtem Maße gelernt sind, um sich daraufhin diesen Dingen noch einmal intensiv zuzuwenden.  Handelt es sich nicht mehr um Lehrbuch-, sondern um Originaltexte in Arbeiten und Klausuren, ist ebenfalls eine Wiederholung des bereits erarbeiteten Textcorpus‘ sinnvoll, aber auch die Beschäftigung mit weiteren Texten des betreffenden Autors bzw. Themenbereichs, deren Kontrolle im Nachhinein mit Hilfe von Übersetzungen erfolgen kann. Hilfreich ist stets eine gewisse Routine im Umgang mit Texten der im betreffenden Kursabschnitt behandelten Autoren.

Ganz wichtig ist es, sich bei Problemen Hilfe zu holen – sei es durch Nachfragen bei der Lehrkraft, sei es durch gemeinsames Üben mit MitschülerInnen, sei es durch vorübergehenden Nachhilfeunterricht. Man sollte nie die Motivation verlieren, sich mit diesem wirklich bereichernden Fach zu beschäftigen.

 

Autor: Lateinlehrerin am Gymnasium

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