Metrik

Die Metrik spielt in der lateinischen Sprache ab der Oberstufe eine große Rolle. Durch den Autor Ovid wird in der Oberstufe der Hexameter eingeführt. Das folgende Kapitel wird den Hexameter Schritt für Schritt erklären; denn mit den richtigen Tipps und Tricks ist der Hexameter für jeden schaffbar!

 

Allgemeine Informationen zur Metrik

Der Hexameter besteht aus sechs Einheiten. Das heißt, jeder Vers lässt sich in sechs Teile (= sechs Metren) einteilen. Man bestimmt die Betonung der Silben in jedem Vers, um diesen anschließend richtig skandieren1 zu können. Jedes einzelne Wort wird in Silben unterteilt.

Zur Einführung wird der folgende Vers2 dienen:

Metrik-Beispiel1

Der vorherige Satz muss durch die Silben unterteilt werden (Tipp: Zur Hilfe in die Hände klatschen!):



Der Aufbau des Hexameters

Jede der sechs Einheiten eines Hexameters (griech.: hexa = sechs) kann entweder einen Daktylus oder einen Spondeus beinhalten:


 


In einem Vers sieht der Hexameter dann so aus:

Auffälligkeiten:3

  1. Die 1. Silbe von der ersten Einheit (Versmaß) ist immer lang.

  2. Das fünfte Versmaß ist immer lang und kurz, kurz.

  3. Die erste Silbe des 6. Versmaß ist immer lang, die darauffolgende kann lang oder kurz sein.

Es empfiehlt sich deshalb beim Skandieren, immer von hinten anzufangen!

 

Regeln zur weiteren Bestimmung

Regelname

Erklärung

Beispiel

Zwei Konsonanten

eine Silbe gilt als lang, wenn sie auf zwei Konsonanten endet. Dies kann auch wortübergreifend der Fall sein.

 

Ausnahme: Buchstaben x,z:

endet eine Silbe auf -x oder -z, so ist sie lang (da x = ks und z = ts)

auch: Das QU kann auch ein Doppelkonsonant sein (=KW).

 

Diphthong

eine Silbe mit einem Doppelvokal (ei, ai, oe usw.) ist lang

muta cum liquida

folgt auf ein b, d, g, p, t, c ein r, l, m oder ein n, so ist diese meistens kurz

Buchstabe h und qu

der Buchstabe h gilt nicht als Konsonant

 

Die Kombination qu gilt als ein Konsonant

 

Buchstabe i

Wird ein i benutzt, um ein j zu bilden, so gilt es als Konsonant

iacere = „jacere

iam = „jam

Verschleifung

endet ein Wort mit einem Vokal und es folgt ein Vokal so wird aus zwei Silben eine Silbe (verschliffen);

endet ein Wort auf -am, -em, -im, -om, -um und es folgt eine Form von esse mit einem Vokal am Wortanfang so wird verschliffen.

Mit diesen Regeln lässt sich der Beispielsatz weiter vervollständigen. Es muss jedoch meistens mit der Konsonantenregel gearbeitet werden, da alle anderen Regeln nicht immer anwendbar sind:

Nun lässt der Vers sich trotzdem vervollständigen, indem man ihn logisch ergänzt. Da es nur die Möglichkeit Daktylus (lang, kurz, kurz) oder Spondeus (lang, lang) gibt und man insgesamt nur 6 Versfüße haben darf, können weitere Ergänzungen vorgenommen werden:

Sollte ein Metrum nicht vollständig mithilfe der Regeln bestimmt werden können, so kann man im Wörterbuch die Naturlängen nachschlagen. Naturlängen geben an, dass eine bestimmte Silbe in einem Wort immer lang gesprochen wird. Eine Länge wird dann ebenfalls im Wörterbuch mit einem Strich über der zu betonenden Stelle angegeben:

Beispiel:

Das Gleiche gilt auch für Deklinations- und Konjugationsendungen, die ebenfalls im Wörterbuch zu finden sind. Diese ermöglichen es, die letzte unbestimmte Silbe zu bestimmen:

Denn -as ist von Natur aus lang (siehe Wörterbuch).


Zäsuren

Verse haben auch Sprechpausen (Zäsuren), dabei gibt es verschiedene Einschnitte.

Betrachten wir (lange Silbe) oder vv (zwei kurze Silben) als jeweils eine Einheit. Nach

  • drei Einheiten eine Trithemimeres (3)

  • fünf Einheiten eine Penthemimeres (5)

  • sieben Einheiten eine Hepthemimeres (7)

Die Bedingung ist aber, dass das Wort an diesen Stellen auch zu Ende sein muss. Pausen (Zäsuren) können nicht in einem Wort sein!


Ebenfalls in der Abbildung vorhanden ist die weibliche Zäsur (w.Z), die eine kurze Silbe (v) nach dem Penthemimeres auftritt (Wortende!). Die bukolische Dihärese tritt eine Zäsureneinheit nach dem Hepthemimeres auf.

Am Beispielsatz wären folgende Zäsuren einzutragen:


 

Die weibliche Zäsur und die bukolische Dihärese kann auch ohne einen Penthemimeres bzw. Hepthemimeres auftreten.

 

_________________________

1skandieren: mit Betonung der Silben vorsprechen

2entnommen aus: Metamorphosen (Ovid): Proömium

3Die lange Silbe (— ) über den beiden vv steht für die Möglichkeit. Eine Einheit (Versmaß) kann entweder lang, lang oder lang, kurz, kurz sein.