Odysseus: Sirenen und Selbstbindung

Odysseus befindet sich auf seiner Irrfahrt von Troja, wo er mit seiner Idee des trojanischen Pferdes die Stadt erobert hat, zu seiner Heimat Ithaka. Unterwegs trifft er die Zauberin Kirke, die ihn bei seiner Weiterfahrt warnt. An einer Meeresenge liegen die Sirenen (Fabelwesen aus Mensch und Vogel), die mit ihrem betörenden Gesang und ihren prophetischen Geschichten Männer verrückt machen und diese aus dem Schiff locken und töten.

Als Odysseus zu der Meeresenge, die mit toten Körpern und Skeletten gesäumt ist, gelangt, befiehlt er seinen Matrosen, die Ohren mit geschmolzenem Wachs zu verschließen. Er selbst möchte aber den Gesang der Sirenen hören und denkt sich folgendes aus: Er lässt sich selbst mit einem Seil an einen Mast binden, und sagt den Soldaten, dass sie das Seil noch fester ziehen sollen, selbst wenn er Zeichen macht, ihn zu befreien. So fahren sie in die Meeresenge. Die Sirenen erscheinen und singen, doch außer Odysseus wird niemand betört. Odysseus selbst, unter dem Einfluss der Sirenen, versucht die Seile zu zerreißen, doch seine Matrosen ziehen die Seile sogar noch fester. Als sie sich entfernt haben, wird der Gesang immer schwächer und Odysseus hat die Sirenen heil überstanden, als auch deren Gesang gehört.

Aus dieser Geschichte, wie sie Homer in der Odyssee erzählt, kann man die Selbstbindung lernen, wie sie auch heute Anwendung findet und von mir persönlich auch erfolgreich immer wieder genutzt wird.

Selbstbindung besteht darin, eine Handlung, die man sehr gerne tun würde, durch eine Handlung vorher unmöglich zu machen.

Odysseus möchte den Sirenengesang unbedingt hören, weiß aber vorher, dass er sich während des Gesangs nicht kontrollieren könne. Deswegen bringt er sich mit der Bindung an den Mast in eine Situation, wo sein späteres betörtes Ich ihm nicht mehr schaden kann.

 

Heutzutage kann man die Selbstbindung beispielsweise so anwenden: Man schreibt morgen eine Lateinklausur und müsste lernen. Man weiß aber aus vorherigen Erfahrungen, dass das Smartphone einen stark dabei ablenkt. Daher schaltet man das Smartphone vorher aus und/oder packt es in ein anderes Zimmer. Umso mehr „Seile“, also Hürden, man zwischen sich und dem Smartphone stellt, desto unmöglicher macht man es, dass das Handy einen während des Lernens ablenkt.

Ein weiteres Beispiel, dass ich selbst sehr gerne nutze, ist der Ortswechsel. Zu Hause hat man Zugang zum Internet, Playstation, Fernsehen etc., also alles, was nicht unbedingt förderlich für die Konzentration beim Lernen ist. Man verlässt also diesen Ort, und sucht z.B. eine Bücherei auf, wo man all diesen Versuchungen aufgrund der Distanz gar nicht mehr nachgehen kann.

Mit der Selbstbindung als Methode sollte der nächsten Lateinklausur hoffentlich gar nichts mehr im Wege stehen.

 

Autor: Hasan Hüseyin Hendek